
Hinter dem Spieler Sascha Riether liegen aufregende Wochen und Monate. Der Umzug in eine neue, ganz andere Stadt sowie der Wechsel zu einem größeren Verein haben einen tiefen Eindruck hinterlassen. Uns tritt ein sympathischer Fußballer entgegen, der, bescheiden, weit weg von typischen Klischees auftritt.
Um den Menschen Sascha Riether zu verstehen, sollte man seinem Werdegang einen genaueren Blick gönnen. Der 24-Jährige hat seine bisherige Karriere komplett im tiefsten Südwesten, in Baden, zugebracht. 1998 wurde er in der B-Jugend des Offenburger FV von Volker Finke entdeckt und bis Ende der letzten Saison ist er dem Sportclub aus Freiburg treu geblieben. Zusammengenommen hat er fast neun Jahre bei einem einzigen Verein gespielt, das ist schon deshalb erstaunlich, weil er schon lange als eines der größten Talente im deutschen Fußball gilt. Er hat sämtliche U-Nationalmannschaften durchlaufen, war zuletzt zwei Jahre lang Kapitän. Auch in seinem Verein war er in den letzten Jahren Führungsspieler und tragende Säule im Freiburger Kurzpassspiel.
Vom SC Freiburg ging er weg, weil er nicht noch ein weiteres Jahr in der Zweiten Liga spielen wollte. Nachdem klar war, dass Volker Finke den Verein trotz einer hervorragenden Rückrunde verlassen muss, und den Spieler zudem das Konzept von Felix Magath reizte, war die Entscheidung für Wolfsburg gefallen.
Ein Glück für den VfL Wolfsburg, der mit Riether einen modernen und sehr gut ausgebildeten Spieler bekommt, der jeder Abwehr in der Bundesliga helfen könnte. Er spielt taktisch klug, mit auffällig wenigen Leistungsschwankungen und ist ein echter Allrounder in der Defensive. Mit großer Übersicht macht er das Spiel von hinten schnell, seine einzige Schwäche ist sein Flankenspiel. Zusammen mit dem äußerst kreativen und überraschend starken Ashkan Dejagah bildet er auf der rechten Seite ein grandioses Duo, das sich erstklassig ergänzt. So ist es auch kein Wunder, dass er zu den Gewinnern der ersten Spiele gehört. Sascha Riether fängt herzlich an zu lachen, als die Frage nach den Unterschieden im Training zwischen Finke und Magath kommt. „Magath macht schon ein sehr besonderes Training, im Gegensatz zu Freiburg ist es viel intensiver. Ich muss sogar sagen, ich hab noch nie im Leben so hart trainiert, es geht hier viel um den Zweikampf, um Kraft und Explosivität."
In Freiburg hing dem ruhigen und besonnenen Riether der Ruf eines braven Schuljungen an, der mit wenig Ecken und Kanten immer fleißig seine Arbeit auf dem grünen Rasen macht. Dass dieses Bild vom netten, aber vielleicht auch harmlosen Menschen nicht ganz stimmt, wird auf den zweiten Blick klar. Er erzählt von Adrenalinschüben, wenn er ins Stadion einläuft, von der vollen Konzentration auf das Training, die ihm keine Zeit für andere Hobbys lasse, von den durchwachten Nächten nach den Spielen, weil er noch so aufgepeitscht und voller Gedanken ist. Hier spricht ein sehr ehrgeiziger Spieler, der mit dem vorhandenen Talent sorgsam umgeht und sich bestmöglich trainiert. Einer der Gründe, warum ihn Felix Magath als eine seiner ersten Amtshandlungen geholt hat, ist ebenjener durchtrainierte Körper, den Riether für sein athletisches und dynamisches Spiel benötigt.
Wenn man ihn zur Zukunft des Vereins befragt, ist er natürlich vorsichtig optimistisch. Ja, man wolle schon weiter nach oben in der Tabelle und das sei auch mit diesem Kader möglich und realistisch, aber es sei halt ein längerfristig angelegtes Projekt, man solle nach den ersten Rückschlägen Geduld haben. Den Satz hört man von Felix Magath und den Spielern verdächtig oft, es klingt nach einer ausgegebenen Parole. Und doch: Riether erzählt im gleichen Atemzug, dass er natürlich des Erfolgs wegen nach Wolfsburg gekommen sei, dass ihn der Startrainer gereizt habe und dass er gerne oben mitspielen wolle.
„Das ärgert mich natürlich, wenn ich im Fernsehen den Lahm, den Hilbert, den Podolski und den Schweinsteiger in der Nationalmannschaft sehe. Ich habe ja mit all denen, die jetzt Hoffnungsträger sind, schon in den Jugendmannschaften zusammen gespielt. Klar, dass mich das auch reizt und antreibt."
Noch ist Riether froh, dass er, der er gerade erst aus der Zweiten Liga gekommen ist, überhaupt in der Startelf steht. Er sieht sich in der Hackordnung des großen und gut besetzten Kaders noch ganz weit unten. Wenn Magath ihn pflegt, ihn weiter aufbaut, kann aus dem sympathischen Südbadener noch eine echte Institution im Wolfsburger Spiel werden und vielleicht auch ein richtiger Wolfsburger.

Dieser Artikel ist im freischwimmer, dem Kulturmagzin des Hallenbads Wolfsburg erschienen.
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