
Konfrontation und Auseinandersetzung scheut der Vater von vier Kindern jedenfalls nicht. So gibt es Zitate wie: „Zumindest kann ich mal ein bisschen Ärger machen." – Gesagt bei Überlegungen für einen Antrag im Rat. Oder: „Man muss hier nur den Mund aufmachen, um etwas zu erreichen." Was ja eigentlich ein Lob an die Stadt Wolfsburg ist, die Zaddach so außergewöhnlich findet, da „alle eigentlich von irgendwoher kommen und man nicht warten muss, bis die eigenen Kinder heimisch werden." Er selbst ist seit 53 Jahren mit Hauptwohnsitz hier gemeldet. Während er als Münchner Student in den Werksferien in Wolfsburg jobbte, um sich sein Lehramtsstudium zu finanzieren, lernte er seine Frau in der Milchbar, heute das Kaufhaus WKS, kennen. Und blieb.
Bei der Erinnerung an die frühen Zeiten gerät Frank Helmut Zaddach ins Schwärmen, was sonst eigentlich nur beim Thema Pfadfinderei passiert: „Ich bin nach Wolfsburg gekommen, das war die Zeit des Aufbaus, einfach fantastisch! Ich bin 1964 mit meinem Kulturthema zum Glück auf Anhieb in den Rat gekommen. Damals wurden die Musikschule, der Literaturkreis und der Theaterring gegründet. Die Entscheidung, ein Theater zu bauen, musste durchgekämpft werden, manche dachten doch tatsächlich, man könne dafür nach Braunschweig fahren. Das war alles nicht so einfach."
Die Faszination für die Politik ließ nach, Zaddach widmete sich dem Aufbau des Gymnasiums Kreuzheide, seiner Familie und der Pfadfinderei: Die von ihm gegründeten Stämme gibt es heute noch – sein damaliger Spitzname „Daddy" spricht für sich. Nach 20 Jahren ließ er sich 1996 dann doch wieder in den Rat der Stadt wählen, um dort typische Pfadfindereigenschaften in die Tat umzusetzen: Organisieren, Improvisieren, den Umgang mit Menschen. Und als Ortsbürgermeister der Nordstadt hat er den Kulturverein geschaffen, den Nordstädtern ein positives Image verliehen und donnerstags auf dem Markt gesessen. Ortsbürgermeister zum Anfassen – keine Phrase.
Sein Ziel ist es, im Rat der Stadt die Einsicht zu stärken, dass Kultur genauso wichtig ist wie Sport und dass sich dies im Haushaltsplan niederschlagen muss. „Ich möchte, dass der Anteil der Kultur am Verwaltungshaushalt so gesteigert wird, dass alle kulturellen Einrichtungen mehr Luft zum Atmen haben. Es gibt hier so viele kreative Menschen, die dann eine Chance bekämen." So kämpft Frank Helmut Zaddach weiter für sein Thema: die Kultur. Mitunter mit der bis heute liebevoll bewahrten Frechheit jenes Zehntklässlers, der Papierflieger während einer Theatervorstellung von Schillers „Die Räuber" baute und sich seitdem – passend zum Namen der dortigen Festspiele – selbst den „Banausen von Weilheim" nennt.

Dieser Artikel ist im freischwimmer, dem Kulturmagzin des Hallenbads Wolfsburg erschienen.
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