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DIE LOTSIN GEHT VON BORD

MIT 65 JAHREN IST SCHLUSS - DANIELA GUNTNER VERLÄSST DAS KULTURBÜRO

Daniela Guntner
© Landmann

Mehr als 200 geladene Gäste waren gekommen, um sie in den Ruhestand zu verabschieden. In einen Ruhestand, der Folgen hat. Denn mit der Pensionierung von Leiterin Daniela Guntner endet vermutlich auch im Wolfsburger Kulturbüro eine Zeit, in der Kultur nicht durchgestylt und hochprofitabel sein, sondern etwas ganz Einfaches können musste: Freude machen. Diese Freude an der eigenen Arbeit hat Daniela Guntner während ihrer 14 Jahre im Kulturbüro – davon acht Jahre in leitender Position – stets verkörpert. Mit viel Humor und Esprit hat sie eine Vielzahl an Kulturveranstaltungen weiterentwickelt und neu konzipiert – darunter Sommerbühne, Gartenromantik, Venezianische Nacht, Adventsmarkt und Literaturwolf.

Auch wenn die studierte Grafikdesignerin nominell an der Spitze stand, so stellte sie ihre Mannschaft immer mit in den Vordergrund: "Ich habe die Kultur nicht allein gemacht. Wir waren im Kulturbüro ein tolles Team, das Projekte gemeinsam verwirklicht hat."

Und auch sonst gibt sich die studierte Grafikdesignerin bescheiden. Während andere in ihrer Branche sich nur allzu gerne mit ihren akademischen Titeln schmücken, wissen nur wenige über ihren ausgezeichneten Abschluss als Master of Fine Arts, der dreijährigen Tätigkeit für die Universität Wisconsin in den USA und den vielen Auszeichnungen, die sie als freie Werbegrafikerin vom den American Art Directors Club verliehen bekam.

Selbstdarstellerei war eben nie ihr Ding. Daniela Guntner hat stets durch Taten überzeugt: Als Verwaltungsreform und Sparprogramme hohe Wellen schlugen, hielt sie ihr Kulturbüro auf Kurs. Wo kommunale Gelder gestrichen wurden, nahm sie Gesellschaft und Privatwirtschaft in die Pflicht. „Zuletzt war Fundraising eine der wesentlichen Aufgaben im Kulturbüro", bekennt die einstige Chefin. Trotzdem verwirklicht sie ihre Projekte auf die gewohnte Weise: nicht im Kalkulationsprogramm, sondern mit Herz und Bauchgefühl.

Ob sie der Wolfsburger Kultur erhalten bleibt? "Nicht ausgeschlossen", erklärt Daniela Guntner kurz. Zunächst aber müssen wichtigere Dinge erledigt werden. Das Enkelkind in England besuchen, mit dem neuen guntnerschen Campingbus die Welt erobern, auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela pilgern. Und vor allem steht Kultur auf dem Programm – aus einer ganz neuen, ungewohnten Perspektive: der des Zuschauers. Von Ruhestand kann also keine Rede sein, mahnt Daniela Guntner: „Schieben Sie mich nicht wie eine Oma aufs Altenteil."

AKa

Infobox

Dieser Artikel ist im freischwimmer, dem Kulturmagzin des Hallenbads Wolfsburg erschienen.

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